Der Geschäftsmann

Huy schlief auf den Straßen von Hanoi, als Blue Dragon ihn traf

Huy schlief auf den Straßen von Hanoi, als Blue Dragon ihn traf

Veröffentlichungsdatum: 01.02.2021

Huy ist einer von den jungen Männern, auf die alle Eltern stolz wären.

Mit Anfang 20 besitzt er sein eigenes kleines Unternehmen, das Autoteile an Werkstätten in ganz Hanoi liefert.

Er arbeitet sieben Tage die Woche, beginnt oft vor Sonnenaufgang und macht erst spät in der Nacht Feierabend. Der Aufbau seines Geschäfts geht nur langsam voran: Jeden Tag ist er unterwegs, um neue Kunden zu finden und neue Produkte zu beschaffen. An manchen Abenden lässt er das Abendessen ausfallen, um Zeit und Geld zu sparen – so entschlossen ist er, sein Geschäft zu einem Erfolg zu machen.

Huy träumt davon, ein florierendes Unternehmen zu haben, für das er junge Menschen von Blue Dragon einstellen kann, um Seite an Seite mit ihnen zu arbeiten. Denn Huy war selbst einmal eines der Kinder, denen wir durch eine gefährliche Zeit geholfen haben.

Huy liebt seine Eltern über alles, wurde aber mit 13 Jahren obdachlos, um der extremen Armut zu entkommen, die seine Familie bereits zermürbt hatte. Nur wenige Tage nach seiner Ankunft in Hanoi traf er auf einen Zuhälter, der ihm Unterkunft und Essen anbot, nur um Huy dann zu missbrauchen und an Andere weiter zu verkaufen.

Als Blue Dragon Huy kennenlernte, versuchte er gerade, sich aus dem Ring der Männer zu befreien, die ihn missbrauchten. Er hatte Arbeit auf Baustellen gefunden und schlief nachts auf einem verlassenen Feld. Er war verzweifelt auf der Suche nach jemandem, der sich um ihn kümmert.

Dank der Beratung und Betreuung von Blue Dragon sowie einem sicheren Dach über dem Kopf war es Huy bald wieder möglich, zur Schule zu gehen.

Sein Traum war es schon immer, Unternehmer zu werden. Sobald er alt genug und dazu in der Lage war, nahm er einen Kredit bei einer Bank auf und gründete seine Firma.

Dann schlug COVID-19 zu. Huy war nahe daran, alles zu verlieren, als die Geschäfte schlossen und er über Nacht alle seine Kunden verlor.

Als der Lockdown in Vietnam endete, machte sich Huy sofort wieder an die Arbeit. Tag für Tag baute er sein Netzwerk auf, traf seine alten Kontakte und langsam kehrte das Geschäft fast wieder zur Normalität zurück.

Doch seit Anfang Februar 2021 steckt Vietnam plötzlich wieder mitten in einem COVID-Ausbruch.

Noch zu Beginn der Woche hatte es seit fast 2 Monaten keine lokale Neuinfektion mehr in Vietnam gegeben. Doch bis Sonntag waren bereits etwa 200 Menschen infiziert.

Da es nur noch wenige Wochen bis zum Tet, dem vietnamesischen Neujahrsfest, sind, ist die Sorge bei allen groß. Für die Vietnamesen ist Tet mehr als nur ein Feiertag. Es ist eine Zeit, in der sich Familien treffen und wichtige Traditionen und Bräuche gepflegt werden.

Jeder hofft, dass der Ausbruch des Virus rechtzeitig zum Tet eingedämmt werden kann. In einigen Städten, darunter auch Hanoi, wurden die Schulen geschlossen, und auf den Straßen herrscht gespenstische Ruhe.

Für Huy werden die kommenden Tage darüber entscheiden, ob sein Geschäft erneut vor einer Katastrophe steht, oder ob es diesmal anders sein wird.

Es gibt niemanden, der nicht von dieser Pandemie betroffen ist, aber die Ärmsten und Schwächsten hat es am schwersten getroffen. Für einen jungen Mann wie Huy, der so hart daran arbeitet, etwas aus seinem Leben zu machen und dabei anderen helfen möchte, hat das Virus verheerende Auswirkungen.

Blue Dragon half Huy durch den ersten Lockdown im letzten Jahr. Wir sorgten dafür, dass er genug zu essen hatte und seine Miete bezahlen konnte. Wir haben ihm sogar ein altes Motorrad geliehen, damit er als Lieferfahrer arbeiten konnte, als sein Geschäft geschlossen war.

Auch jetzt wird Huy wieder Hilfe brauchen, ob es einen weiteren Lockdown gibt oder nicht. Viele der von uns betreuten jungen Menschen, die in der Schule oder an der Universität sind oder bereits einen Job haben, werden diese zusätzliche Unterstützung brauchen, um die kommenden Wochen zu überstehen, selbst wenn der jüngste Ausbruch, wie wir alle hoffen, eingedämmt wird.

Eins zumindest hat uns die COVID-19-Pandemie gelehrt: wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und wie wir, wenn wir zusammenarbeiten, selbst die dunkelsten Tage überstehen können.

Es könnten noch mehr dunkle Tage vor uns liegen. Wenn wir alle zusammenhalten, können wir sie überstehen.

Übersetzt von Kirsten Broschei (Fotos und Text aus dem Blog vom Blue Dragon Gründer Michael)

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